Pauliina Lerche
Eine sympathische und exzellente Musikerin

Karelien, eine Region im Norden Finnlands, die sich auch über die Grenzen zu Norwegen und Russland hinweg erstreckt, scheint ein guter musikalischer Nährboden zu sein. Das kleine nordfinnische Dorf Rääkylä ist nicht nur die Heimat einer der bekanntesten finnischen Folkbands “Värttinä”, sondern auch der Geburtsort Pauliina Lerches.

Sie wurde 1974 als Pauliina Luukanen geboren und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Bereits mit vier Jahren erhielt sie Violinunterricht. Neben der Musik galt ihr Interesse und ihre Liebe von Kindesbeinen an auch der Lyrik Kareliens, was dazu führte, dass sie eigene Gedichte im finnischen Rundfunk lesen durfte.

Mit neun Jahren gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern von Värttinä, ursprünglich eine Kinderband. Zu diesem Zeitpunkt begann sie ihr zweites Instrument zu spielen, die fünfsaitige Kantele. Mit dieser Band veröffentlichte sie zwei Alben: “Värttinä” (1987) und “Musta Linda” (1989), bevor sie die Band verließ und für drei Jahre die Musikhochschule in Kuopio besuchte. Während ihrer dortigen Studienzeit gründete sie mit Studienkollegen eine Band, für die sie komponierte und arrangierte. Dabei entdeckte sie auch ein neues Instrument für sich: Fortan war das Akkordeon ihr Hauptinstrument.

Unmittelbar nach Abschluss der Hochschule in Kuopio ging sie nach Helsinki, um sich am Folkmusik-Institut der Sibelius-Akademie einzuschreiben. Als Hauptfach wählte sie diesmal das Akkordeon. In diese Zeit fällt die Gründung des Frauen-Quartetts “Mimmit”, dem auch Pauliinas jüngere Schwester Hannamari angehörte. Sie veröffentlichten eine Single und im Jahr 1996 die spritzige EP “Mimmit”. Das Quartett existierte bis 2001. Die nordkarelische Band “Burlakat” lud Pauliina ein, als Violinistin und Sängerin einzusteigen. Eine Besonderheit von “Burlakat” ist die ausschließliche Verwendung der karelischen Sprache in ihren Liedern.

Pauliina Lerche1995 ging Pauliina als Austauschstudentin für ein Jahr nach Tokio, wo sie erste Kontakte mit der dortigen Musikszene knüpfte, die bis heute erhalten blieben. Ihre wachsende Bekanntheit in Finnland führte zu diversen Einladungen: 1996 komponierte sie für die Ballettschule der finnischen Nationaloper, für Rami Meling, und schrieb und spielte im Folkdance-Ensemble Pitko in Helsinki. Mit Burlakat veröffentlichte sie noch im gleichen Jahr das erste Album “Tsastuska”. Erste Soloauftritte folgten 1997 (u. a. in Italien und auf dem Kihaus Folk-Festival). Als Ersatz für Maria Kalaniemi stieg Pauliina in das Orchester des berühmten finnischen Musikers und Schauspielers Vesa-Matti Loiri ein. Diese Zusammenarbeit hält bis heute an und führt zu alljährlichen Vorweihnachtstourneen quer durch Finnland.

Ein erster Meilenstein: “Katrilli”
Der finnische Jazzmusiker und -gitarrist Peter Lerche wurde im Jahr 2000 ihr Ehemann. Im Jahr 2002 beendete sie ihre Studien an der Sibelius-Akademie. Einen ersten Meilenstein in ihrer Karriere stellt die Veröffentlichung ihres ersten Soloalbums “Katrilli” im Jahr 2002 dar. Die Aufnahmen hierfür begannen bereits ein Jahr zuvor in Neu Delhi, Indien. Auf “Katrilli” zeigt sie ein weiteres Mal (und diesmal deutlicher als je zuvor) ihre experimentelle Seite und ihr weltmusikalisches Interesse, das sich über viele Jahre entwickelt hat. Auf diesem Album wagt sie den Versuch, hindustanische Musikelemente mit finnisch-karelischer Folkmusik zu kombinieren. Und dieser Versuch gelingt ihr mehr als überzeugend.

Doch Pauliina Lerche kann auch anders: Ihr Können und ihre Vielseitigkeit sprachen sich in diesen Jahren auch in Rock- und Popkreisen herum. Es folgten Tourneen mit Hector und Pave Maijanen, zwei der bekanntesten finnischen Rockmusiker. 2003 veröffentlichte sie mit Burlakat das zweite Album “Magie” in Finnland, das im darauf folgenden Jahr auch in Deutschland auf den Markt kam und große Beachtung in Folkkreisen fand. Noch im gleichen Jahr formierte sich die Band “Kriya”, bei der neben Pauliina auch ihr Mann, Peter Lerche, beteiligt ist. In dieser Band frönen die Mitglieder ihrer Vorliebe für indische Musik.

Pauliina LercheAbermals folgten zahlreiche Tourneen mit Kriya, Burlakat, Vesa-Matti Loiri und Hector Acoustic Trio und dennoch fand sie Zeit, Stücke für ein neues Soloalbum zu schreiben und zu arrangieren. Ende 2005 begannen dann die Aufnahmen zu Pauliina Lerches zweitem Soloalbum “Malanja”, das im Mai darauf veröffentlicht wurde.

Zurück zum Ausgangspunkt: “Malanja”
Auf “Malanja” kehrte sie wieder zu ihren Wurzeln in der finnisch-karelischen Folkmusik zurück. Die Musik ist stark vom Akkordeon geprägt und besticht danaben auch durch den exzellenten Gesang Pauliinas.

2006 ist das Geburtsjahr ihrer derzeitigen Band. Sie besteht neben Pauliina aus Hannamari Luukanen (Gesang, Violine), Tuomas Logrèn (Gitarre, Dobro, Ex-Mitglied von Värttinä von 1985-89), Jukka Kyllönen (Gitarre, Perkussion, Mitglied von Burlakat) und Timo Pekonen (Bass).

Ihre letzte größere Tour ausserhalb Finnlands fand im Frühjahr 2008 statt. Sie führte durch Deutschland, Polen und Österreich. Dabei war sie im Duo mit ihrer Schwester Hannamari unterwegs. Auf dem diesjährigen Nürnberger Bardentreffen ergab sich eine der seltenen Gelegenheiten, Pauliina zusammen mit ihrer Band zu erleben. Die Veranstalter flogen das Quintett für ein einziges Konzert ein. Diese Einladung erwies sich als Glücksgriff für die Programmgestalter, denn dieses Konzert war eines der besten beim Bardentreffen 2008. Mit einer teils leisen, teils temperamentvollen Musik brachte das Ensemble das seltene Kunststück fertig, ein großes Festivalpublikum mit, für den Großteil der Zuhörer, fremden Folkklängen mitzureissen.

Eine neue CD: “Hats Hats Harakkainen

Pauliina und Hannamari

Im Moment steht ihre letzte Einspielung kurz vor der Veröffentlichung: “Mimmit: Hats Hats Harakkainen”. Ein Album, dessen Zielgruppe Kinder sind. Die Musik Pauliinas kommt überraschenderweise bei Kindern sehr gut an, obwohl sie keineswegs dafür geschrieben wurde. So war der Gedanke naheliegend, einmal eine CD speziell für Kinder einzuspielen. Dafür hat sie heuer Musik geschrieben, wie sie sie auch für eine Erwachsenen-CD geschrieben hätte. Nur die Texte wurden kindgerecht gestaltet. Es gibt eine Website hierzu: www.mimmit.com (vorerst nur in finnisch). Der Veröffentlichungstermin ist der 22. Oktober. Im Programm des Nürnberger Konzerts waren bereits Stücke dieser CD zu hören.

Im Oktober ist sie auf ihrer mittlerweile vierten Tournee in Japan unterwegs. Gleich anschließend verschwindet sie wieder im Studio. Das Jahr 2008 klingt für die sympathische Finnin, wie in den letzten Jahren auch, mit einer Vorweihnachtstournee mit Vesa-Matti Loiri aus. Pauliina Lerche würde sehr gerne im kommenden Jahr mit ihrer Band zu Konzerten nach Deutschland kommen. Hoffen wir, dass es klappt…

Einige ihrer CDs und die ihres Mannes Peter Lerche sind hier zu beziehen.

Orientierungshilfe

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Eine sympathische und exzellente Musikerin

Karelien, eine Region im Norden Finnlands, die sich auch über die Grenzen zu Norwegen und Russland hinweg erstreckt, scheint ein guter musikalischer Nährboden zu sein. Das kleine nordfinnische Dorf Rääkylä ist nicht nur die Heimat einer der bekanntesten finnischen Folkbands “Värttinä”, sondern auch der Geburtsort Pauliina Lerches.

Sie wurde 1974 als Pauliina Luukanen geboren und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Bereits mit vier Jahren erhielt sie Violinunterricht. Neben der Musik galt ihr Interesse und ihre Liebe von Kindesbeinen an auch der Lyrik Kareliens, was dazu führte, dass sie eigene Gedichte im finnischen Rundfunk lesen durfte.

Mit neun Jahren gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern von Värttinä, ursprünglich eine Kinderband. Zu diesem Zeitpunkt begann sie ihr zweites Instrument zu spielen, die fünfsaitige Kantele. Mit dieser Band veröffentlichte sie zwei Alben: “Värttinä” (1987) und “Musta Linda” (1989), bevor sie die Band verließ und für drei Jahre die Musikhochschule in Kuopio besuchte. Während ihrer dortigen Studienzeit gründete sie mit Studienkollegen eine Band, für die sie komponierte und arrangierte. Dabei entdeckte sie auch ein neues Instrument für sich: Fortan war das Akkordeon ihr Hauptinstrument.

Unmittelbar nach Abschluss der Hochschule in Kuopio ging sie nach Helsinki, um sich am Folkmusik-Institut der Sibelius-Akademie einzuschreiben. Als Hauptfach wählte sie diesmal das Akkordeon. In diese Zeit fällt die Gründung des Frauen-Quartetts “Mimmit”, dem auch Pauliinas jüngere Schwester Hannamari angehörte. Sie veröffentlichten eine Single und im Jahr 1996 die spritzige EP “Mimmit”. Das Quartett existierte bis 2001. Die nordkarelische Band “Burlakat” lud Pauliina ein, als Violinistin und Sängerin einzusteigen. Eine Besonderheit von “Burlakat” ist die ausschließliche Verwendung der karelischen Sprache in ihren Liedern.

Pauliina Lerche1995 ging Pauliina als Austauschstudentin für ein Jahr nach Tokio, wo sie erste Kontakte mit der dortigen Musikszene knüpfte, die bis heute erhalten blieben. Ihre wachsende Bekanntheit in Finnland führte zu diversen Einladungen: 1996 komponierte sie für die Ballettschule der finnischen Nationaloper, für Rami Meling, und schrieb und spielte im Folkdance-Ensemble Pitko in Helsinki. Mit Burlakat veröffentlichte sie noch im gleichen Jahr das erste Album “Tsastuska”. Erste Soloauftritte folgten 1997 (u. a. in Italien und auf dem Kihaus Folk-Festival). Als Ersatz für Maria Kalaniemi stieg Pauliina in das Orchester des berühmten finnischen Musikers und Schauspielers Vesa-Matti Loiri ein. Diese Zusammenarbeit hält bis heute an und führt zu alljährlichen Vorweihnachtstourneen quer durch Finnland.

Ein erster Meilenstein: “Katrilli”
Der finnische Jazzmusiker und -gitarrist Peter Lerche wurde im Jahr 2000 ihr Ehemann. Im Jahr 2002 beendete sie ihre Studien an der Sibelius-Akademie. Einen ersten Meilenstein in ihrer Karriere stellt die Veröffentlichung ihres ersten Soloalbums “Katrilli” im Jahr 2002 dar. Die Aufnahmen hierfür begannen bereits ein Jahr zuvor in Neu Delhi, Indien. Auf “Katrilli” zeigt sie ein weiteres Mal (und diesmal deutlicher als je zuvor) ihre experimentelle Seite und ihr weltmusikalisches Interesse, das sich über viele Jahre entwickelt hat. Auf diesem Album wagt sie den Versuch, hindustanische Musikelemente mit finnisch-karelischer Folkmusik zu kombinieren. Und dieser Versuch gelingt ihr mehr als überzeugend.

Doch Pauliina Lerche kann auch anders: Ihr Können und ihre Vielseitigkeit sprachen sich in diesen Jahren auch in Rock- und Popkreisen herum. Es folgten Tourneen mit Hector und Pave Maijanen, zwei der bekanntesten finnischen Rockmusiker. 2003 veröffentlichte sie mit Burlakat das zweite Album “Magie” in Finnland, das im darauf folgenden Jahr auch in Deutschland auf den Markt kam und große Beachtung in Folkkreisen fand. Noch im gleichen Jahr formierte sich die Band “Kriya”, bei der neben Pauliina auch ihr Mann, Peter Lerche, beteiligt ist. In dieser Band frönen die Mitglieder ihrer Vorliebe für indische Musik.

Pauliina LercheAbermals folgten zahlreiche Tourneen mit Kriya, Burlakat, Vesa-Matti Loiri und Hector Acoustic Trio und dennoch fand sie Zeit, Stücke für ein neues Soloalbum zu schreiben und zu arrangieren. Ende 2005 begannen dann die Aufnahmen zu Pauliina Lerches zweitem Soloalbum “Malanja”, das im Mai darauf veröffentlicht wurde.

Zurück zum Ausgangspunkt: “Malanja”
Auf “Malanja” kehrte sie wieder zu ihren Wurzeln in der finnisch-karelischen Folkmusik zurück. Die Musik ist stark vom Akkordeon geprägt und besticht danaben auch durch den exzellenten Gesang Pauliinas.

2006 ist das Geburtsjahr ihrer derzeitigen Band. Sie besteht neben Pauliina aus Hannamari Luukanen (Gesang, Violine), Tuomas Logrèn (Gitarre, Dobro, Ex-Mitglied von Värttinä von 1985-89), Jukka Kyllönen (Gitarre, Perkussion, Mitglied von Burlakat) und Timo Pekonen (Bass).

Ihre letzte größere Tour ausserhalb Finnlands fand im Frühjahr 2008 statt. Sie führte durch Deutschland, Polen und Österreich. Dabei war sie im Duo mit ihrer Schwester Hannamari unterwegs. Auf dem diesjährigen Nürnberger Bardentreffen ergab sich eine der seltenen Gelegenheiten, Pauliina zusammen mit ihrer Band zu erleben. Die Veranstalter flogen das Quintett für ein einziges Konzert ein. Diese Einladung erwies sich als Glücksgriff für die Programmgestalter, denn dieses Konzert war eines der besten beim Bardentreffen 2008. Mit einer teils leisen, teils temperamentvollen Musik brachte das Ensemble das seltene Kunststück fertig, ein großes Festivalpublikum mit, für den Großteil der Zuhörer, fremden Folkklängen mitzureissen.

Eine neue CD: “Hats Hats Harakkainen

Pauliina und Hannamari

Im Moment steht ihre letzte Einspielung kurz vor der Veröffentlichung: “Mimmit: Hats Hats Harakkainen”. Ein Album, dessen Zielgruppe Kinder sind. Die Musik Pauliinas kommt überraschenderweise bei Kindern sehr gut an, obwohl sie keineswegs dafür geschrieben wurde. So war der Gedanke naheliegend, einmal eine CD speziell für Kinder einzuspielen. Dafür hat sie heuer Musik geschrieben, wie sie sie auch für eine Erwachsenen-CD geschrieben hätte. Nur die Texte wurden kindgerecht gestaltet. Es gibt eine Website hierzu: www.mimmit.com (vorerst nur in finnisch). Der Veröffentlichungstermin ist der 22. Oktober. Im Programm des Nürnberger Konzerts waren bereits Stücke dieser CD zu hören.

Im Oktober ist sie auf ihrer mittlerweile vierten Tournee in Japan unterwegs. Gleich anschließend verschwindet sie wieder im Studio. Das Jahr 2008 klingt für die sympathische Finnin, wie in den letzten Jahren auch, mit einer Vorweihnachtstournee mit Vesa-Matti Loiri aus. Pauliina Lerche würde sehr gerne im kommenden Jahr mit ihrer Band zu Konzerten nach Deutschland kommen. Hoffen wir, dass es klappt…

Einige ihrer CDs und die ihres Mannes Peter Lerche sind hier zu beziehen.

Text date: 2008-10-12  
Text: © Global Music Magazine  
Ident-Code: 1986/1200/1



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